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Evangelische
Pauluskirche Ergolding |
Ev.-Luth. Kirchengemeinde
Aus der Geschichte der Paulusgemeinde:
An den Bau einer Kirche war am 11. März 1945 noch lange nicht zu denken, als Pfarrer Karl Schneider eine kleine Schar von Gemeindegliedern aus dem nordöstlichen Bereich der Pfarrei Landshut Christuskirche zum ersten Sonntagsgottesdienst in der Salvator Mundi Kapelle in Mirskofen sammelte. Pfarrer Krieger aus Altheim stellte dazu mit Genehmigung des erzbischöflichen Ordinariats Regensburg den evangelischen Christen diese Kapelle für ihre Gottesdienste zur Verfügung. Die meisten von ihnen waren im Zuge der politischen Ereignisse von 1944/45 in zwei großen Strömen von Evakuierten und Flüchtlingen vor allem aus Schlesien und Ostpreußen nach Landshut und Umgebung gekommen. Pfarrer Schneider aus Troischendorf (Kreis Görlitz), der selber im Februar 1945 mit seiner Familie den akuten Bedrohungen des nationalsozialistischen Regimes und der nahenden Front in Schlesien nur mit knapper Not entgangen war, widmete sich als Armer unter den verarmten, entwurzelten Flüchtlingen sofort der umfangreichen seelsorgerlichen Aufgaben vor Ort. Zu Fuß und mit dem Fahrrad betreute er bei jedem Wetter seine Gemeindeglieder aus Altheim, Essenbach, Ahrain, Unterwattenbach, Martinshaun, Unterröhrenbach, Postau, Oberköllnbach, Wörth, Unholzing, Bayerbach, Hohenthann, Weihenstephan, Unterglaim und Ergolding. Ältere Gemeindemitglieder erzählen bis heute von seiner integrierenden Kraft und dem Zusammenhalt, der aufgrund seiner Tätigkeit herrschte. Seit 1955 bildeten die Gemeinden Ohu, Ober- und Unterahrain, Essenbach, Altheim, Mirskofen, Petersglaim, Weihenstephan, Ober- und Unterwattenbach sowie Ergolding als "Evang. Luth. Stadtvikariat Landshut Christuskirche" mit Sitz in Ergolding einen eigenen Seelsorgebezirk. Bis 1972 war dieses Vikariat mit folgenden Vikaren besetzt: Karl Schneider 1945-1956 Die ersten kirchenbaulichen Aktivitäten entwickelten die Gemeindeglieder im Stadtvikariat, als sie mithalfen, die Mirskofener Salvatorkapelle zu renovieren. Am 18. Oktober 1958 eröffnete dort dann auch Landesbischof D.Hermann Dietzfelbinger DD aus München seine Besuchsreise ins neuerrichtete Dekanat Landshut mit einer schlichten Abendandacht. Bald konnten evangelische Gottesdienste regelmäßig auch in der Ergoldinger Pfarrkirche, in der Altheimer Pfarrkirche, in Schulräumen und später in der Pfarrkirche von Ahrain gehalten werden. In der Pfarrkirche Ergolding wurden jährlich die Jugendlichen der Gemeinde konfirmiert. 1962 meldete Dekan Kirchenrat Krauß aus Landshut im Landeskirchenamt München das Bauvorhaben eines Gemeindehauses in Ohu/Ahrain an. Die Ortsgemeinde stellte dazu kostenlos ein Grundstück (heute: Nelkenstr 16) zur Verfügung. Am 6. September 1970 weihte Kreisdekan Oberkirchenrat Bürckstümmer, Regensburg, das in Fertigbauweise erstellte Montagegemeindezentrum in Ohu ein mit einer Ansprache über das Dankeswort des Apostels Paulus 1. Thessalonicher 1, 210. Für Ergolding hatte Architekt Hans Kritschel, Landshut, bereits 1966
eine Kirche mit Gemeindehaus geplant. Der Bau des Ergoldinger Gemeindehauses begann. Am Pfingstmontag, den 26. Mai 1969 legte Dekan Ernst Borger, Landshut, mit einer Ansprache zu 1. Korinther 3,11 den Grundstein - für damals 950 Gemeindeglieder des Vikariats. "Möge dieses Zentrum zu einer Stätte der Sammlung, des Gotteswortes und der Zurüstung zum Dienst an den Menschen werden", so steht es in der eingemauerten Urkunde. Der Name für das neue Gotteshaus, nach dem Apostel Paulus benannt, wurde bei der Grundsteinlegung unter ökumenischem Aspekt in Entsprechung zur katholischen St. Peterskirche gewählt. Beide Namen sind Symbol für ein gutnachbarliches Verhältnis der Kirchengemeinden zueinander. Noch im Dezember, am 7.12.1969, konnte Kreisdekan Oberkirchenrat Bürckstümmer das Gemeindehaus im Beisein von zahlreichen Gemeindegliedern und Gästen (darunter Pfarrer Pritscher von seiten der katholischen Pfarrgemeinde, Landrat Toni Beck, Bürgermeister Josef Heckner, Dekan Ernst Borger, die ehemaligen Pfarrer des Vikariats und Pfarrer des Dekanatsbezirks) einweihen und Vikar Köhnlein den Schlüssel überreichen. Die Predigt stand unter dem Wort Hebräer 10, 1925 und ging auf den uns durch Christus ermöglichten Einzug in Gottes Haus ein. Auch der Choral "Nun jauchzt dem Herren alle Welt! Kommt her, zu seinem Dienst euch stellt..." drückte die Freude darüber und über den abgeschlossenen ersten Bauabschnitt aus. Nach der Fertigstellung des Pauluszentrums wurde eine Sammlung für den Kirchenbau noch eine zeitlang fortgeführt, allerdings mit rückläufigem Spendenaufkommen. 1973 stellte man die Sammlung ein, nachdem Kirchenvorstand und Gesamtkirchenverwaltung den Bau eines Kindergartens beschlossen hatten. Auch angesichts der geringeren finanziellen Möglichkeiten in der Landeskirche für Bauvorhaben rückten Kirchenanbau und Umbaupläne wieder in den Hintergrund. 1972 hatte der Landeskirchenrat das "Evang.- Luth. Stadtvikariat Landshut" zur "4. Pfarrstelle der Christuskirche Landshut" mit Sitz in Ergolding umgewandelt. Als erster Pfarrer in Ergolding wurde am 1.4.1973 Pfarrer Volker Reißenweber installiert. In seine ersten Amtsjahre fiel der Bau des Kindergartens. Nach Johann Friedrich Oberlin, der Ende des 18. Jahrhunderts im Steintal im Elsaß bahnbrechend auf dem Gebiet der Kinderfürsorge wirkte und auch die erste Kleinkinderschule gründete, hat man den Kindergarten benannt. Am 2. Advent 1975 öffnete der zweite evangelische Kindergarten im Dekanat Landshut seine Türen. 100 Kinder, die in zwei Halbtagesgruppen gefördert wurden, finden in den modern ausgestatteten Räumlichkeiten mit einem großzügigen Gartengelände und kinderfreundlicher Atmosphäre Platz. Mit dem Entschluß, den Bau eines Kindergartens dem von Kirche und Pfarrhaus vorzuziehen, waren seinerzeit nicht alle Gemeindeglieder einverstanden, aber es war auf jeden Fall eine konkrete Antwort auf den sozialen Bedarf in Ergolding mit seinem enormen Zuwachs gerade an jungen Familien mit Kindern. Es erwies sich bald, daß sämtliche Kindergartenplätze immer rasch belegt werden konnten, und daß der Kindergarten auch eine wertvolle Funktion für den Gemeindeaufbau mit übernahm. Im Jahr der Markterhebung Ergoldings 1976 faßte der Landeskirchenrat in München den Beschluß, im Bereich der 4. Pfarrstelle Landshut Christuskirche eine eigenständige Kirchengemeinde jedoch noch ohne eigenes Pfarramt zu bilden. Die Gründe dafür waren die ständig wachsende Zahl der Gemeindeglieder und ein relativ eigenständiges kirchliches Leben vornehmlich in Ergolding und Ohu. Es traf sich gut, daß im gleichen Jahr 1976 allgemeine Kirchenvorsteherwahlen in Bayern anstanden. Diese boten eine günstige Möglichkeit, die Selbständigkeit der Kirchengemeinde tiefer im Bewußtsein der Gemeindeglieder zu verwurzeln. Das Interesse der Gemeinde an der Verselbständigung dürfte sich in der Wahlbeteiligung von immerhin 25 % (Landesdurchschnitt 21 %) aller Wahlbeteiligten wiederspiegeln. So war Ergolding mit den Orten Ohu, Ober- und Unterahrain Essenbach, Altheim, Mirskofen, Ober- und Unterwattenbach, sowie Weihenstephan weiterhin 4. Pfarrstelle der Christuskirche, aber innerhalb der Landshuter Pfarrei zweite Kirchengemeinde mit eigenem Haushalt und eigenem Kirchenvorstand. Bis Juli 1984 betreute Pfarrer Volker Reißenweber die Gemeinde seelsorgerlich, führte u.a. als Dekanatsjugendpfarrer auch übergemeindliche Aufgaben aus, gewann für die Gemeindearbeit zahlreiche ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiter und es gelang ihm in Ergolding über Jahre hinweg ein kontinuierlicher Gemeindeaufbau. Er pflegte die ökumenische Zusammenarbeit, gab viele Impulse für ein vielschichtiges Gemeindeleben. So bestand mehrere Jahre lang ein Schülerclub "Lernen und Spielen" und auch im Konfirmandenunterricht wurden mit Konfirmandentagen und Wochenendkursen eindrucksvolle neue Wege beschritten. Seit 1977 feiert die Paulusgemeinde jährlich auch ihr Sommerfest, das Kindergärtnerinnen, Eltern und zahlreiche Helfer gemeinsam vorbereiten und durchführen. Für jung und alt aus dem umliegenden Ortsteil und darüber hinaus ist dieses Fest jeweils ein willkommener Anlaß zu Begegnung und gemeinsamer Feier. Besonders in Erinnerung bleiben sicher die Sommerfeste, bei denen 1981 ein Chor aus Wisla/Polen und 1988 ein Chor aus Skoczow/Schlesische Beskiden in Ergolding zu Gast waren.
Nach 14 Monaten Vakanz, in der das Gemeindeleben, die Treffen der Gruppen und Kreise und die Feste der Gemeinde durch ein erstaunliches ehrenamtliches Engagement vieler Mitarbeiter und die Mithilfe der Pfarrer aus den Nachbargemeinden kontinuierlich weiterbestanden, wurde ich, Robert Pitschak, im Anschluß an mein Vikariat in Partenkirchen am 10. November 1985 als neuer Seelsorger eingeführt. Dekan Reinhard von Loewenich sprach dabei in der Predigt zu Epheser 2, 17-22 vom Bau der christlichen Gemeinde auf dem Grund der Apostel und Propheten. "Diese Amtseinführung", sagte er, "möge dazu mithelfen und ein Appell sein, daß der Eck und Schlußstein Jesus Christus dazu gesetzt ist, daß Gott hier eine Wohnstätte finde, daß die Baustelle der Gemeinde in Schuß bleibt und die Gemeinde ein Bauplatz und eine Werkstatt bleibt, die ganzen Einsatz erfordert, damit sie nicht zu einer Investitionsruine wird!" Die Gemeinde wies er an, mich als Pfarrer z.A. bei meinem Bemühen, eine Wohnstätte für Gott zu schaffen, zu unterstützen, "denn Bauleute und Bausteine sind wir alle!" Auch als die Kinder bei der Begrüßungsfeier ein Spiel vom Hausbau für Gott aufführten, dachte ernsthaft noch kaum einer daran, daß sich die symbolische Rede von der "Baustelle Kirchengemeinde" schon bald in Gestalt eines Kirchenbaus konkretisieren würde. Nachdem ich, Robert Pitschak, am 4. Mai 1986 durch Kreisdekan Oberkirchenrat Theodor Heckei, Regensburg, in Ohu ordiniert wurde und mir das Anknüpfen an die vielen Fäden einer lebendigen Gemeindearbeit gelingen konnte, machten sich in der Folgezeit aber immer mehr auch die Grenzen der zu eng gewordenen Räumlichkeiten des Pauluszentrums bemerkbar. Verfaßt von Pfarrer Robert Pitschak
Teil II: Chronik der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Ergolding ab dem 01.01.1987 Mit Wirkung vom 1. Januar 1987 errichtete der Landeskirchenrat die "Evangelisch-Lutherische Pfarrei Ergolding". Dadurch wurde die bisherige vierte Pfarrstelle der Christuskirche Landshut eine selbständige Pfarrei mit eigenem Pfarramt.
Die Paulusgemeinde, deren Mitgliederzahl sich weiterhin stetig erhöhte,
hat jetzt beste Voraussetzungen für ein buntes Gemeindeleben, denen sie
durch ein breites Veranstaltungsangebot für jung und alt und mit Hilfe
zahlreicher ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch gerecht werden
konnte.
Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes wurden am 11. Dezember (3. Advent) 1994 das neue Evangelische Gesangbuch in Gebrauch genommen und der neugewählte Kirchenvorstand in sein Amt eingeführt. Bürgermeister Hans Bauer und Mitglieder des Marktgemeinderates wohnten der Feierstunde bei, in der auch auf das 25-jährige Bestehen des (alten) Gemeindehauses zurückgeschaut werden konnte. Am 11. März des "Gedenkjahres" 1995 wurde in der Salvator-Mundi-Kapelle in Mirskofen des ersten evangelischen Gottesdienstes auf dem Gebiet der späteren "Kirchengemeinde Ergolding" gedacht, der dort 50 Jahre zuvor gefeiert worden war. Einige Zeitzeugen der ersten Stunde waren zugegen, so etwa die Tochter des legendären Pfarrers Karl Schneider. Das vielfältige Gemeindeleben wurde durch weitere Angebote noch bereichert:
So stieg die Zahl der Mutter-Kind-Gruppen auf vier an, "Krabbelgottesdienste"
für Kleinstkinder und ein "Meditativer Abendgottesdienst" wurden eingeführt,
Yoga-Kurse angeboten. Am 3. Dezember 1995 feierte der gemeindeeigene Friedrich-Oberlin-Kindergarten seinen 20. Geburtstag. Am Familiengottesdienst und dem anschließenden "Tag der offenen Tür" nahmen neben Gemeindemitgliedern und Kindergarteneltern auch Vertreter des öffentlichen Lebens Ergoldings teil. Das ökumenische Miteinander zwischen der katholischen Pfarrgemeinde und der evangelischen Paulusgemeinde konnte unter dem neuen katholischen Seelsorger Johann Schottenhammel vertieft und verstärkt werden. Genannt seien ökumenische Gottesdienste (Ostern, Buß- und Bettag, Gebetswoche für die Einheit im Glauben), gemeinsame Schulgottesdienste, regelmäßige Treffen von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand, gemeinsame Bibelwoche und Gesprächsabende. Am 1. Oktober 1996 feierte der Seniorenkreis der Paulusgemeinde seinen 25. Geburtstag. Bürgermeister Hans Bauer überbrachte der Leiterin, Frau Amalie Senft, seinen persönlichen Dank. Zu den Gratulanten gehörten auch Dekan Jürgen Wieber, Pfarrer Jochen Wilde sowie Irmtraud Weingärtner und Peter Pöhlmann als Vorsitzende des Kirchenvorstands. Seit 1996 findet alljährlich eine Wochenendfreizeit des gesamten Kirchenvorstands mit Familienangehörigen statt, bei der Perspektiven und Projekte des Gemeindelebens entwickelt werden können.
Verfaßt von Pfarrer Jochen Wilde
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